Nun hat uns die Coronapandemie schon gut ein Jahr im Griff. Wir gehen von einem Lockdown in den nächsten, wir lockern die Verhaltensregeln nur um sie nach kurzer Zeit wieder zu verschärfen. Vielen Leuten fehlt die bekannte Normalität und der persönliche Kontakt zu Familie und engen Freunden. Auch ich wäre, wie jedes Jahr, zwischen den Jahren gerne zu meiner Familie in die Heimat gefahren; wäre gerne durch die Wälder gewandert, die ich seit meiner Kindheit kenne; wäre gerne mit meinen Kumpels und einem großen Rucksack voll Kameraequipment, heißem Tee und Kuchen von Oma durch kniehohen Schnee gestapft. Aber zurzeit ist das leider nicht möglich und nun kam zum Jahresbeginn in vielen Bundesländern auch noch die 15 km-Regelung bei einem Inzidenzwert von über 200 neuen Infektionen auf 100.000 Einwohnern dazu.

15 Kilometer um den eigenen Wohnort für Ausflüge klingt erst einmal ziemlich wenig. Aber kramt man das alte Tafelwerk aus Schulzeiten einmal unter dem Bett hervor und sucht nach der Formel, um die Fläche in diesem Kreis auszurechnen, kommt eine ziemlich große Zahl heraus. Der Taschenrechner zeigt nämlich die Zahl 706,858 und die Einheit dazu ist Quadratkilometer. Ganz schön viel Fläche oder?

Habt ihr schon mal experimentiert?
Auch direkt vor der Haustür finden sich lohnenswerte Motive

Wie viele Orte wir in unserem näheren Umkreis noch nie besucht hatten, stellten mein Schwager und ich bereits im vergangenen Herbst fest. Der nächste Lockdown kündigte sich gerade an und plötzlich waren viele Wochenenden, die sonst für Dorffeste, Geburtstage und Feiern reserviert waren, wieder frei. Ich hatte auf dem Satellitenbild in der Nähe der Nuthemündung zwischen Barby und Glinde einen Flecken gesehen, den ich für recht fotogen hielt. Also fragte ich meinen Schwager ob er nicht Lust hätte auf eine kleine Erkundungstour. Während dieser kleinen Rad- und Wandertour fielen uns beiden noch etliche andere Ecken ein, in denen wir noch nie waren. Schade eigentlich, man ist so darauf fixiert weit weg zu fahren, dass man seine Heimat oder seinen Wohnort meistens gar nicht kennt. Dank der ganzen Beschränkungen war nun auch endlich mal Zeit und Grund dafür da. Also sattelten wir bei passendem Wetter unsere Drahtesel, schulterten unsere Rucksäcke und versuchten einige weiße Flecken mit Farbe zu füllen.

Sonnenuntergang an der Nuthe

Ende November landete schließlich neben meiner normalen Kamera auch noch eine Drohne im Rucksack. So konnten wir auch noch andere Blickwinkel bei unseren Touren einnehmen. Es ist schon interessant wie unbekannt bekannte Strukturen aus hundert Meter Höhe aussehen. Aus der Luft sehen kleine Weiher auf einmal aus wie Korallenriffe und in der Unterwasservegetation sind die Wege von verschiedenen Tieren zu erkennen. Dinge die man vom Ufer überhaupt nicht erkennt. Farben wirken teilweise viel satter und Orte, die man für weit entfernt hielt, rücken auf einmal in Sichtweite. Es ist immer eine kleine Überraschung, was man im Display sieht, wenn man aus großer Höhe zum Boden schaut.

Deutschland oder Karibik?
Versteckte Strukturen in bekanten Gewässern

Mittlerweile haben wir schon einige Ecken ausgekundschaftet, aber bei Weitem noch nicht alle weißen Flecken mit Bildern gefüllt. Wenn ich mir den 15 km-Radius um unseren Ort so anschau haben wir damit auch noch ein ganzes Weilchen zu tun. Vielleicht sollte man auch nach dem Lockdown und dem Pandemieende weiter seine nähere Umgebung erkunden. Wie wir in den letzten Wochen festgestellt haben, findet man dadurch auch wirklich tolle Ecken. Manche sind gut zum Fotografieren geeignet, andere zum Picknicken oder für ein kleines Feierabendbier in der Natur und manche eignen sich für beides. Umsonst sind die kleinen Mikro-Abenteuer jedenfalls nie.

Kennt ihr alle 706,858 Quadratkilometer um euren aktuellen Wohnort? Ich komme als Biologe und Naturfotograf viel herum, aber als ich den Umkreis um meinen Wohnort gezogen habe musste ich feststellen, wie viele Stellen ich in diesem Umkreis noch nie besucht habe. Man muss also nicht immer weit weg. Imposante oder verwunschene Orte, schöne farbenprächtige Pflanzen und faszinierende Tiere lassen sich auch vor unserer eigenen Tür beobachten. Also lasst uns doch einfach das Beste aus der aktuellen Situation machen, lasst uns einzeln oder zu zweit doch einfach mal rausgehen und Neuland entdecken. Lasst uns doch einfach mal wie kleine Darwins, Humboldts oder Amundsens fühlen und für uns unbekanntes Terrain betreten.

Haltet die Ohren steif, bleibt gesund und habt immer gut Licht!

Verwandte Beiträge
Leave a Reply

Your email address will not be published.