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In der letzten Aprilwoche war es dann endlich so weit, die Brutzeit hatte begonnen und die Altstörche saßen den ganzen Tag auf dem Gelege. Man muss wirklich den Hut ziehen, wenn man bedenkt, dass beide Partner abwechselnd 30 Tage lang fast 24 Stunden im Nest sitzen bis sie vom anderen abgelöst werden. Dabei brennt Ihnen den ganzen Tag die Sonne auf Kopf und Rücken und der einzige Zeitvertreib besteht aus dem Beobachten der Lebewesen in der Umgebung und dem regelmäßigen Wenden der Eier.

Am letzten Maiwochenende hatte das Warten endlich ein Ende. Die beiden Elternteile standen nun des Öfteren und beschatteten die frisch geschlüpften Zwerge. Im Ort wurde allmählich die Frage lauter, wie viele Küken es wohl seien. Ab dem Kindertag konnte man ab und zu ein Köpfchen über die Nestkante hinweg erkennen, eine Woche später gab es dann Gewissheit: Es sind sogar drei kleine Federbälle geschlüpft! 

Also Daumen drücken und darauf hoffen, dass die Nahrungslage ausreicht, um drei hungrige Schnäbel zu stopfen. Denn bis die Jungvögel ein Kilo wiegen, vertilgen sie täglich ihr eigenes Körpergewicht und von da an täglich ein Kilogramm Futter. Das bedeutet Akkordarbeit für Adebar und seine Frau, vor allem bei der Trockenheit und Hitze im Brutjahr. Da kommt die Arbeit der Landwirte den langbeinigen Opportunisten zugute. Hier eine Wiese, die gemäht wird, dort ein Getreidefeld, welches abgeerntet und später umgebrochen wird. So ergeben sich doch einige Buffets auf den umliegenden Flächen und in den nahen Gärten. Trotz der widrigen Witterung scheinen die Altvögel genügend Futter von der Jagd mitgebracht zu haben, denn alle drei Halbstarken sitzen noch im Nest und entwickeln sich prächtig.

Irgendwann bekommen die kleinen Daunenkissen dann auch richtige Federn, die sich um einiges besser zum Fliegen eignen. Hinstellen, Flügel ausbreiten, ein Gefühl für den Wind bekommen, kräftig mit den Flügeln schlagen und Abheben, so zumindest die Theorie. Bis dahin heißt es für die Nesthocker jedoch Flugmuskeltraining und Gespür für die Luftbewegung entwickeln. Aus den ersten wenig anmutigen Versuchen werden aber bald geübte Segelflüge. Doch jeder Kunstflieger muss auch irgendwann wieder landen. Erfahrungsgemäß stellt dieses Manöver sich als der schwerste Teil des Fliegens heraus und so enden die ersten Versuche oft in stolpernden Bruchlandungen.

So sollte für gewöhnlich der Schulalltag eines jungen Storches aussehen, praktisch kam den drei Flugschülern am 18. Juni 2018 jedoch etwas dazwischen. Irgendetwas hatte die Jungvögel so erschreckt, dass alle drei aus dem Nest sprangen und noch etwas ungeschickt zu Boden segelten. Der jüngste und gleichzeitig leichteste wurde schnell gefunden und wieder ins Nest gesetzt. Auch wenn die Eltern zu Beginn etwas skeptisch und vorsichtig waren, versorgten sie das Nesthäkchen weiter mit Futter. Die beiden älteren Geschwister hingegen hatten es im Gleitflug bis zu einem ortsnahen Acker geschafft und suchten in den Strohschwaden nach Futter. Die Flugkünste reichten gerade, um sich vor den menschlichen Häschern in Sicherheit zu bringen, jedoch nicht um zurück zum Horst zu kommen. Also hielten wir in der Nähe der beiden Wache, damit wir sie nach Sonnenuntergang festnehmen und zurück in die elterliche Haft überführen konnten. In der Realität gestaltete sich dieser Plan jedoch schwieriger als gedacht. Einem Jungstorch klar zu machen, wie gefährlich eine Übernachtung auf dem Boden ist, gestaltet sich als nahezu unmöglich und so verlief auch der erste Fangversuch erfolglos. Gegen Mitternacht gelang es uns dann einen der beiden festzunehmen und ihm eine Übernachtung im Stall zu spendieren. Am folgenden Tag klingelte das Telefon, am Apparat war unser Nachbar: „Bei uns ist gerade ein Storch in Richtung Kirche vorbeigelaufen. Ist das eurer?“. Mit Hilfe des Nachbarn und seines Sohnes gelang es uns den flüchtigen Storch am Friedhof in eine Sackgasse zu treiben und festzusetzen. Es war geschafft, Bonnie und Clyde saßen hinter Gittern. In Absprache mit dem Storchenhof Loburg beschlossen wir die beiden Ausreißer nicht ins Hotel Mama zurückzubringen, sondern in die Hände von Experten zu geben.

Wer weiß, vielleicht war diese Entscheidung maßgeblich für die weitere Entwicklung der drei Geschwister. In den Nachrichten wurde zunehmend von der Nahrungsknappheit bedingt durch den ungewöhnlich trockenen Sommer berichtet. Vielleicht hätten nicht alle drei Jungvögel bis zum Ende des Sommers überlebt. Was wäre, wenn…? Eine Frage die uns oft durch den Kopf ging. Letzten Endes zählt jedoch, dass alle Storchenkinder den Sommer überlebt haben.

Während der jüngste Storch bereits in der ersten Augustwoche das Nest verließ, wurden Bonnie und Clyde am 12. August 2018 aus der Einzelhaft in Loburg entlassen. Fertig „ausgebildet“ ging es für die drei Geschwister dann zum ersten Mal auf die weite und gefährliche Reise nach Afrika. Wer es bis in die Überwinterungsgebiete geschafft hat, wird im nächsten Frühjahr auch wieder den Rückflug antreten und sich ein schönes Plätzchen in Europa suchen. Wo es die drei jungen Segelflieger im kommenden Jahr hin verschlägt, ahnen sie wahrscheinlich selbst noch nicht, denn schließlich liegt Ihnen die Welt unter ihren Schwingen zu Füßen.

Wir wünschen jedenfalls guten Flug und allzeit günstige Thermik!

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