Was die drei Zwerge in der ersten Nacht auf ihrem warmen und kuscheligen Lager träumten? Das werde ich mich wohl noch lange fragen.
Jedenfalls schliefen unsere Findelkinder noch immer, als unser Wecker klingelte. Nach dem Frühstück weckten wir die Kleinen und es gab auch für sie die erste Mahlzeit des Tages. Vor dem Essen wurde jeder gewogen und mittels des Körpergewichtes die jeweilige Futtermenge berechnet. Nach einer kurzen Bedenkzeit, wie so ein Fläschchen denn noch einmal funktioniert, verschwand die Milch aus der Flasche schon ein bißchen schneller als am Abend. Um für die frische Milch im Bauch Platz zu machen folgte gleich nach dem Essen wieder der Toilettengang über der Küchenspüle und man glaubt gar nicht, wie viel von der Milch übrig bleibt. Von Mahlzeit zu Mahlzeit wurden wir routinierter und die Zwerge immer hungriger, schließlich muss man ja groß und stark werden. Deshalb gab es fünf mal am Tag etwas für die dicken Bäuche.
Nachdem jeder versorgt war ging es wieder in den Wäschekorb. So konnten wir sie im Haus immer bei uns und unter Beobachtung haben. Mit einem kleinen Nickerchen nach dem Essen verdaut es sich ja auch viel besser und außerdem vergeht die Zeit bis zur nächsten Mahlzeit dann wie im Flug. Zwischendurch erkundete man die Weiten des Wäschekorbes und kuschelte sich dann wieder zwischen seine warmen Geschwister, um sich von der weiten Reise zu erholen.

Tag für Tag konnte man beim morgendlichen Wiegen sehen, dass sie schwerer, größer und damit auch agiler wurden. Beim Füttern musste man ständig auf die kleinen Entdecker aufpassen, damit keinem etwas passiert. Auch die Verdauungsnickerchen wurden langsam kürzer, sodass mehr Zeit zum Erkunden war. Unserem neugierigen Schlaubi wurde der Wäschekorb irgendwann zu langweilig und durch die kleinen Löcher im Korb konnte man auch die interessantesten Dinge außerhalb sehen. Ob man da wohl durch passt? Zumindest der Kopf hatte es durch die Öffnung geschafft, der Rest allerdings nicht und dummerweise wirken die Stacheln auch noch wie Widerhaken. Es ging nicht mehr weiter, aber auch nicht mehr zurück. Als Schlaubi laut zu fipsen begann, wurden wir auf ihn aufmerksam und bemerkten seinen Schlamassel. Mit einem Messer versuchten wir ihn zu befreien, was uns auch relativ schnell gelang. Die gute Laune von Schlaubi war aber erstmal verpufft und man hätte ihn glatt mit Muffi verwechseln können. Er schnaufte vor sich hin und rollte sich ein. Nach einer Weile auf dem Bauch meiner Freundin hatte er sich dann wieder beruhigt und die drei zogen in einen sichereren Korb um. Im neuen Zuhause bekamen die Drei auch eine kleine aus Zweigen gebastelte Rampe, die gerne als Klettergelegenheit genutzt wurde.
Ein paar Tage später geschah das nächste Missgeschick. Gerade als Schlaubi dachte dem Druck in seinem Bauch freien Lauf lassen zu können, fiel ein Tropfen aus dem Wasserhahn genau auf seine Stirn. Oh Gott, Wasser! Unter lautem Protest rollte er sich wieder ein und war ziemlich schlecht gelaunt. Nach einer Kuschelpartie war auch dieser Schreck schnell wieder vergessen, aber Wasser blieb ein schwieriges Thema. Wenn man die beiden Jungs beim Baden beobachtet hat, hätte man denken können das Wasser in der Wanne wär die Hölle selbst. Im Gegensatz dazu genoss Schlumpfine bei jedem Bad das warme Nass.
Nach den ersten Tagen hatten sich die Igel an uns gewöhnt und abends, bevor wir selbst schlafen gingen, gab es eine Kuscheleinheit auf unseren warmen Bäuchen. Bevor wir selbst ins Bett gingen, legten wir die bereits Träumenden auf ihre Wärmflasche und deckten sie zu. Für uns war es etwas ganz Besonderes am Ende eines jeden Tages die Kleinen abends dabei zu beobachten, wie sie friedlich schlummerten. Solche Momente sind, wie ich finde, einzigartig und zeigen mir wie schön und wertvoll Tiere sind. Besonders war die Entwicklung meines kleinen Lieblings, Schlumpfine. Sie war noch nicht so weit wie ihre Brüder und schien in den ersten Nächten bei uns noch die Stunden, in denen sie alleine war, zu verarbeiten. Beim Schlafen zuckte sie mehr als ihre Brüder und fipste im Traum, sodass sie teilweise wieder aufwachte und ich sie noch einmal zu mir nahm, bis sie wieder eingeschlummert war. Mit der Zeit verschwanden die Albträume aber.
Wie man sieht bestimmten die Igelkinder ziemlich schnell unseren Alltag und machten uns eine Menge Arbeit, die wir aber gerne auf uns nahmen. Zu sehen, dass es ihnen immer besser ging und sie größer und agiler wurden, war für uns Lohn und Motivation genug weiter zu machen und sie selbst aufzuziehen. Da wir noch nie so junge Igel bei uns hatten, suchten wir nach Hilfe und stießen mehr durch Zufall auf die Wildtierhilfe Wien (www.wildtierhilfe-wien.at), deren Mitarbeiter uns immer sehr schnell auf unsere Fragen antworteten und mit Rat zur Seite standen. Deshalb gilt unser besonderer Dank ihnen!
Eine Reise lag aber noch vor unseren Igeln, wohin ist aber eine eigene Geschichte.

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